Vor Jahren, nein, es sind Jahrzehnte, erwarb ich mal auf meiner Suche nach Alternativen im Weinbau das Buch “Weinbau einmal anders” von Lenz Moser. Um es vorwegzunehmen, er war in gewisser Weise seiner Zeit voraus. Die Lenz-Moser-Erziehung war eine buschige Weitraumerziehung mit höherem Stamm, die aber für die aus den USA eingeschleppten Pilzkrankheiten eine willkommene Lebensgrundlage darstellte. Das Thema hatte sich somit recht schnell erledigt, da selbst mit den damaligen synthetischen Mitteln dieser Erziehungsform mit ihren Feuchtigkeitsnestern nicht beizukommen war. Der sogenannte Drahtrahmen fand Einzug in den meisten Weinanbaugebieten Deutschlands und ist bis heute die wichtigste der Erziehungsformen, die rationelle Laubarbeit, aber auch gute Durchlüftung und somit indirekte Pilzvorbeugung ermöglicht.

Was für ein Glück, dass ich einen Vater hatte, der nicht sagte: das haben wir schon immer so gemacht! Nein, er meinte nur: “Du wirst schon wissen” – ein nicht zu überschätzendes Geschenk. Die Vertiko-Erziehung fand dann irgendwann vor 15 – 20 Jahren auch den Weg nach Wollmesheim. Eine Stammerziehung mit kurzen Zapfen (vertikaler Kordon) ermöglichte eine Arbeitsweise ohne große Biege-, Binde- und Laubarbeit. Musste ich natürlich versuchen und wenn, dann auf allen Flächen. Habe ich dann auch gemacht. Es gab wie zu erwarten neue Probleme, die es zu klären galt, aber grundsätzlich war es eine Form der Rebenerziehung, die mir entgegen kam. Der Drahtrahmen, der wie ein Gleis den Weg meiner Arbeit vom Anfang bis zum Ende der Zeile bestimmte, war nicht mehr vorhanden. Auch die Herbschdleit’ waren erfreut, sich frei in alle Richtungen bewegen zu könne. So will ich arbeiten, das ist die Luft, von der ich lebe.

Wie es dann zur Umkehrerziehung kam, weiß ich nicht mehr so genau… (in Arbeit)