Ungeliebt ist die Fortführung des Wollmesheimer Besitzes auch bei meinen Brüdern und wir lehnen dankend ab, als wir in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts vom Vater darauf angesprochen werden. Da wir im Kindesalter von den Eltern nach Dormagen verschleppt worden sind, um dem Vater dort eine berufliche Perspektive als Chemiker zu ermöglichen, geht unsere Bindung nach Wollmesheim verloren. Erst das freie Leben, das ich nach meiner Schulzeit über mehrere Jahre genießen darf, verbunden mit einer längeren Reise auf dem Landweg nach Indien und Nepal öffnet mir die Augen, die Taube auf dem Dach zu ergreifen und festzuhalten. Verschweigen möchte ich nicht, dass die damalige Modedroge Morio-Muskat mir dann noch den Rest gibt. Sowas will ich auch machen!

Das elterliche Haus ist mittlerweile verkauft, die Äcker und Weinberge verpachtet. Mein Vater ist von dem Gedanken geprägt, ein Haus sei wieder zu bauen, doch die Weinberge bekäme man nicht so schnell mehr wieder. Wie recht er hat.

1979 ernte ich stolz meinen ersten Silvaner mit 86° Oechsle – natürlich biologisch angebaut. Das ist die zweite Droge und Herausforderung für mich: Wenn schon Weinbau in Wollmesheim wieder neu beginnen, dann auch wirklich zeitgemäß ohne den Einsatz von Herbiziden, Mineraldünger und synthetischen Spritzmitteln.